Samstag, 9. Januar 2010

Gebet für das Vaterland

Die religiösen Nationalzionisten haben neue Gebete in die Lithurgie und im Kalender zusätzliche „Feiertage“ eingeführt: Ein „Mi shebeirach“ für den Staat, den sie „Israel“ nennen, hat das alte jüdische „Gebet für das Vaterland“ ersetzt und Yom HaShoah, Yom HaZikaron und Yom HaAtzmaut wurden von ihnen zu neuen Gedenktagen erklärt. Vom Judentum und religiösen Juden nie begangen und nicht akzeptiert. Doch dabei blieben sie nicht stehen:
Den heiligsten Platz des Judentums überhaupt, die „Kosel“, die Westmauer des Tempelbergs in Jerusalem, den sie angeblich im Jahre 1967 „befreit“ haben wollen, mißbrauchen sie Jahr für Jahr für ihr obszönes militaristisches und nationalistisches Gehabe mit Fahnenmeer, Stechschritt und Fackelzug, an dem sich zionistische Staatsprominenz und Militärführung mit nahezu pseudo-religiöser Hingabe ergötzen. 

Nirgendwo sonst wird einem der Widerspruch zwischen nationalzionistischem Kult einerseits und religiösen Judentum andererseits so bewußt und vor Augen geführt, wie an diesem historischen Ort, der über Jahrtausende die Gebete frommer und gottesfürchtiger Juden zum Schöpfer der Welt sammelte. Hier zeigt sich geradezu symbolisch wer nicht nur die Kosel und Jerusalem, sondern auch das ganze Heilige Land im Würgegriff hält: die Macht der zionistischen Besatzung!

Die Juden Jerusalems werden – wie in jedem Jahr – mit dem Hissen schwarzer Fahnen und einem ganztägigen Fasten ihrer Trauer und ihrem Widerstand auch gegen dieses Treiben des Zionismus Ausdruck verleihen.
„Wir erheben unsere Hände und unsere Herzen zu dem Lenker aller menschlichen Geschicke. Vater der Barmherzigkeit! Aus dir quillt aller Segen. Du gießest Frieden aus über das Getümmel der Meereswogen. In deiner Hand ruhen die Schicksale alles dessen, was Seele hat. Tausend Jahre sind in deinen Augen wie das Gestern, wenn es dahin schwindet und wie das nächtliche Wachtfeuer, wenn es verglimmt. Lasse deine Gnade walten über unser deutsches Vaterland. Sende Heilung seinen Wunden, Aufrichtung seiner Gebeugtheit, Kraft und Schwung seiner staatlichen und wirtschaftlichen Entfaltung. Halte fern von seinen Fluren die Geißel der Krankheit, die Schärfe des Schwertes, die Not des Hungers und jegliche Bedürftigkeit. Lasse seine Kinder in sieghafter Eintracht ruhen. Der Verderber nähere sich nicht dem Frieden ihres Gezeltes. Lasse die Stimme des Streites verstummen in unseren Landen. Lasse Erfüllung nahen der prophetischen Verheißung: den Krieg zu bannen bis ans Ende der Erde, daß ein jeder sein Heim errichte im Frieden seines Weinstockes und unter dem Schatten seines Feigenbaumes. In Bälde lasse die Mächte des Heiles walten in Juda, die Quellen der Erhebung strömen über Jisrael. Lasse Zion den Erlöser nahen. Entbinde aus allen Tiefen die schöpferischen Kräfte der Erlösung für Jisrael und die gesamte Menschheit. Das sei dein heiliger Wille. Darauf sprechen wir: Amen!“ (deutsche Übersetzung des „Gebetes für das Vaterland“ aus dem „Siddur Sefas Emes“, 1956-1964).

Kommentare:

  1. Ich komme nicht mit. Ein "Siddur" - das klingt für mich wie ein jüdisches Gebet. Aber was soll das "deutsche Vaterland" da drin?
    Ich bin total verwirrt

    Patrick

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  2. Ein "Siddur" ist ein jüdisches Gebetsbuch. Der Begriff "Siddur" bedeutet soviel wie Ordnung, also Gebetsordnung. In den verschiedenen "Siddurim" (Gebetsbüchern) der aschkenasischen oder auch der sephardischen Gemeinden waren entsprechende Gebete für die jeweiligen Heimatländer der Juden eingebettet und so war das auch in Deutschland. Das "Gebet für das (deutsche) Vaterland" gehörte ergo selbstverständlich zur täglichen Gebetsordnung dazu.

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