Das zionistische Kabinett hat ein Gesetz verabschiedet, das von jedem neuen Bürger eine Loyalitätserklärung gegenüber dem (wie die Zionisten es nennen) „jüdischen Staat“ abverlangt. Darüber hinaus fordert Netanyahu schon seit seinem Amtsantritt, dass die Palästinenser „Israel“ als „jüdischen Staat“ als Voraussetzung für den Stopp weiterer Siedlungsbauten anerkennen sollen. Eine seiner gedanklichen Konstrukte für derlei absurde Forderungen ist, daß es ja sonst keinen anderen jüdischen Staat auf der Welt geben würde.
Daß es allerdings keinen anderen „jüdischen Staat“ gibt, ist der Tatsache geschuldet, daß es ganz und gar unjüdisch ist, überhaupt einen solchen Staat zu haben. Während der über 2000-jährigen Exilgeschichte des jüdischen Volkes hatten Juden durchaus mehrere Möglichkeiten einen eigenen Staat zu realisieren. Doch man hat darauf immer deshalb verzichtet, weil man wußte, daß Gott uns Juden aufgetragen hat, auf Seine durch Ihn getragene Erlösung zu warten.
Um das Jahr 132 n.d.Z. führte Bar Kochba eine jüdische Revolte gegen Rom an und etablierte ein jüdisches Königreich. Der Talmud erwähnt, daß Bar Kochba beanspruchte, der Messias zu sein. Die Weisen prüften ihn, und als sie feststellten, daß er nicht der erwartete Messias war, töteten sie ihn. Man kann nicht nur daran deutlich erkennen, daß unsere Weisen nach der Zerstörung des Tempels grundsätzlich gegen die Existenz eines jeglichen jüdischen Staates waren.
Samson Raphael Hirsch, der große deutsche Gelehrte des 19. Jahrhunderts, faßte die Bar-Kochba-Erfahrung und die Haltung unserer Weisen dazu, deshalb auch in folgende Worte: "Als der von Bar Kochba geleitete Aufstand unter Hadrian sich als eine unheilvolle Verirrung erwiesen hatte, galt es, dem jüdischen Bewusstsein für alle Zeiten die Warnung stets gegenwärtig zu halten, nie wieder durch eigene Macht die Wiederherstellung der nationalen Selbständigkeit zu versuchen, vielmehr diese nationale Zukunft ganz allein der göttlichen Waltung anheimzustellen."
Im Jahre 1536, als die Juden Portugals unter schwerer Unterdrückung, Autodafés und teils öffentlichen Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen seitens der Inquisition zu leiden hatten, sahen die Juden Portugals durchaus auch die Möglichkeit, das Königreich zu übernehmem. Doch ein alter Weiser nutzte eine kabbalistische Methode, um zu erfahren, ob dies auch das sei, was Gott wollte. Gott antwortete mit dem Hohelied: „Ich beschwöre euch, Töchter Jeruschalajim's, bei den Gazellen oder den Hindinnen der Flur, daß ihr nicht wecket noch aufreget die Liebe, bis sie begehrt." Genau dieser Vers ist es denn auch, den der Talmud als Quelle dafür angibt, daß das jüdische Volk nicht dazu berufen ist, das göttlich bestimmte Exil vor der Zeit und gewaltsam zu beenden. Das Resultat war, daß der angedachte Plan eines Aufstandes gegen den portugiesischen König fallen gelassen wurde.
Als Mordechai Noah im Jahre 1826 den Vorschlag machte, man solle einen jüdischen Staat oder eine Kolonie auf Grand Island in der Nähe von Buffalo, New York, gründen und diesbezüglich Briefe an die Rabbiner Europas verschickte, um sie zu ersuchen, sie mögen in diesem neuen Staat Führungsaufgaben übernehmen, gab Abraham de Cologna, der Oberrabbiner von Paris, dazu folgende Stellungnahme im Namen des europäischen Judentums ab:
"The venerable Messrs. Herschell and Mendola, Chief Rabbis at London, and myself, thank him, but positively refuse the appointments he has been pleased to confer upon us. We declare that according to our dogmas, God alone knows the epoch of the Israelitish restoration, that he alone will make it known to the whole universe by signs entirely unequivocal, and that every attempt on our part to reassemble with any politico-national design is forbidden, as an act of high treason against the Divine Majesty."
Das war immer der jüdische Standpunkt gewesen und im Grunde wurde dieser von der überwiegenden Mehrheit der Juden immer und überall über 19 Jahrhunderte hinweg akzeptiert. Es waren ausschließlich Juden, die vom Judentum nichts verstanden und nichts wissen wollten – so wie Herzl und seine Nachfolger –, die so etwas wie einen „jüdischen Staat“ konzipieren konnten.
Netanyahu hat nicht das geringste Recht dazu, auch nur von irgend jemandem – Jude oder Nichtjude – die Anerkennung seines Staates als „jüdischen Staat“ einzufordern, denn die eigentliche Existenz dieses Staates verletzt die jüdische Religion und steht zu ihr im Widerspruch. Wir protestieren und verurteilen die mißbräuchliche Verwendung unseres Namens für euren zionistischen Staat!
Hervorragender Artikel, Herr Cabelman. Danke vielmals
AntwortenLöschenHerr Cabelman, ich habe einige Fragen:
AntwortenLöschenwie definiert sich eigentlich ein "Jude"?
Wie definiert sich eigentlich ein "jüdisches Volk"?
Ich würde mich freuen, wenn sie einmal ihren und davon verschiedene prominente Standpunkte darlegen könnten.
Vielen Dank,
Levi R. Goldstein
Lieber Levi R. Goldstein
AntwortenLöschen“Jude” ist, nach dem jüdischen Religionsgesetz, der Thora, wer erstens von einer jüdischen Mutter geboren ist, und zweitens die Gesetze der Thora anerkennt und auch tatsächlich einhält.
Bei fehlen eines dieser beiden Bedingungen ist diese Person dann nach jüdischer Definition nicht “jüdisch”, und nicht als solche zu betrachten. Eine nicht-jüdisch geborene Person kann gleichwohl “jüdisch” werden, sie kann sich als Proselyt, als ‘Ger”, dem jüdischen Volk anschließen, muss aber dann das gesamte jüdische Thora-Gesetz für sich anerkennen, und ebenfalls einhalten.
Dasselbe gilt bei der Definition “jüdisches Volk”: So lange sich dieses an die an Gott am Berge Sinai abgegebene Verpflichtung hält, die “Thora”, das jüdische Religionsgesetz, treu einzuhalten, ist dieses Volk “jüdisch”. Kehrt es sich von diesem Göttlichen Gesetz ab, ist es nicht mehr jüdisch.
In allen Zeiten hat es sich an diese Verpflichtung gehalten, und war immer bemüht, das Göttliche Gesetz treu und pflichtbewusst einzuhalten.
Mit mehr oder weniger Erfolg. Es gab in allen Zeiten Einzelne, und auch größere und kleinere Gruppen, die sich von Gott, der Thora und dem jüdischen Gesetz abgewendet hatten, aber das waren immer nur Absplitterungen. Das Volk als Ganzes blieb “Gottes Volk”, also “jüdisch”.
Heute ist diese Regel noch immer gültig und kein Jota anders.
Was die Zionisten heute in Palästina (sogenannt “Israel”), vollführen, ein “Volk wie alle Völker”, ohne “Thora” ohne “Sinai” sein zu wollen, und es leider auch sind, mit der Lüge, das sei “das jüdische Volk”, ist falsch. Die haben mit dem wirklichen “jüdischen Volk” nicht das geringste zu tun, und auch keinerlei Berechtigung, im Namen desselben zu sprechen.
Die Zionisten beginnen dies selbst auch zu fühlen, und wollen diese Fiktion nun mit neuen Gesetzen und dummen Vorschriften “zementieren”. Es dürfte ihnen aber nicht gelingen. “Jüdisch ist nicht zionistisch, und zionistisch ist nicht jüdisch!”.
Diese Wahrheit wird sich durchsetzen, und es ist zu hoffen: Das jüdische Volk werde diese Fiktion “Zionismus gleich jüdisches Volk” bald los werden, und wieder klar und wie eh und je “Gottes Volk”, also “jüdisch” sein.
Vielen Dank für ihre Ausführung. Zwei weitere Fragen:
AntwortenLöschen1. Im "dritten Reich" wurde ja ein teiljüdisch-sein behauptet über das vorhandensein jüdischer Vorfahren. Ich habe gehört, dass dabei auch Proselyten zugerechnet wurden. Haben sie darüber eine Erkenntnis?
2. M.E. gilt hier in Deutschland das eigene Bekenntnis als ausreichend zur Religionszugehörigkeit. Können sie mir sagen, wie sie dazu stehen?
Ich danke ihnen im Voraus,
Levi R. Goldstein
Lieber Levi R. Goldstein
AntwortenLöschenIch danke Ihnen für Ihr reges Interesse an den Themen unserer Webseite.
Allerdings ist zu Ihren neuen Fragen zu sagen: Ich habe Ihnen geantwortet was mir aus den einschlägigen rabbinischen Schriften und Kommentaren zu den jüdischen Religions- und Thora-Vorschriften bekannt ist. Das ist aus “jüdischer” Sicht doch das einzig maßgebende und kompetente, was zu dem Thema wirklich relevant ist.
Es gibt sicher noch unzählige andere Ansichten und ‘Patente’ zu dieser Frage, doch ist dies alles nicht im Rahmen unserer Webseite, die sich ja als “unabhängig, Thoratreu und antizionistisch” definiert.
Außerdem bin ich persönlich nicht mit genügend umfassendem Wissen ausgerüstet, um diese heiklen Fragen kompetent und sachgerecht zu beantworten.
Auf ‘Wikipedia’ finden Sie auf Knopfdruck dazu jede Menge Information. Vor allem zu den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 und nachfolgenden Teiländerungen und Ergänzungen lässt sich etliches finden.
Nur soviel ergänzend dazu noch aus meiner Sicht: Die vom Grundsatz her als "Rassengesetzgebung" aufgebauten antijüdischen Gesetze der Nazis kamen nicht aus ohne Feststellung darüber ob jemandes Großeltern jüdisch waren oder nicht, also spielte deren "Religionszugehörigkeit" eine wesentliche Rolle. Andererseits galt jemand, der 3 jüdische Großeltern hatte, als "Volljude", unabhängig davon ob seine eigene Mutter Jüdin war oder nicht. Diese "Variante" war sicherlich eher selten, doch zeigt sie, dass die Nazis eine andere Definition kreierten. Denn jemand, dessen beide Großeltern väterlicherseits Juden sind und dessen Großvater mütterlicherseits Jude ist, ist nach jüdischem Recht immer noch kein Jude, denn es "fehlt" ganz offensichtlich die jüdische Großmutter mütterlicherseits. Im Umkehrschluss war jemand, der "nur" EINE jüdische Großmutter mütterlicherseits hatte, nach der Logik der Nazis "nur" ein "Mischling zweiten Grades", ist jedoch nach jüdischem Recht ganz einfach Jude.
Sie sehen also, wir bewegen uns hier auf einem schwierigen Terrain. Fakt war, ist und bleibt jedoch, dass nach jüdischem Recht nur derjenige als Jude gilt, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder nach den Gesetzen und Vorschriften des (orthodoxen) Judentums konvertiert ist und darüberhinaus (und dies gilt für den einen wie den anderen) die Gesetze und Lebensweise nach der Thora erfüllt. Alle anderen selbst gemachten "Definitionen" haben jedenfalls im Judentum keinerlei Bedeutung. Im übrigen auch jene auf ethnischen Kriterien aufgebaute Definitionen des Zionismus (die in vielen Punkten denen der Nazi-Definition ähneln) sind nach jüdischem Recht zu verwerfen.
In Deutschland reicht das sogenannte "Bekenntnis" aus, um bei den Behörden zu einer bestimmten "Religion" als zugehörig geführt zu werden. Doch auch dies hat - bezogen auf das Judentum - nichts damit zu tun, ob jemand tatsächlich Jude ist oder nicht. Sie können sich Morgen als "Jude" bei Ihrer Gemeinde registrieren lassen (es heißt dort dann "israelitisch"), doch sind Sie deshalb ja noch längst keiner. Ein "Bekenntnis" alleine macht noch keinen Juden. Das Judentum kennt auch derlei Dinge wie "Bekenntnisse" (ein eher christlich geprägter Begriff) nicht.
Herr Cabelman,
AntwortenLöschenvielen Dank für ihre ausführliche Darlegung. Eine letzte Frage stellt sich mir:
Ich nehme an, dass niemand die ganze Thora erfüllen kann. Gibt es dann also einen gewissen Kern, der erfüllt sein muss, oder reicht ein ernsthaftes Bemühen?
Grüsse,
Levi R. Goldstein
Auf diese wie Sie schreiben, ‘letzte Frage’ kann ich Ihnen sehr gerne leicht und kurz antworten:
AntwortenLöschenNein, es gibt keinen “gewissen Kern”, den man erfüllen kann, um damit ‘auch dabei zu sein’, und ‘eine Quittung für das Ganze’ zu bekommen! Und auch keinerlei “ernsthaftes Bemühen” kann hier als Ersatz einspringen.
Gott hat dem jüdischen Volk die Thora am Sinai mit allen Ge- und Verboten als Ganzes überrreicht, und das Volk Isroel (nicht ‘Israel’!) hat diese freudig angenommen und Gott versprochen, sie voll und ganz einzuhalten.
Ja, es stimmt wohl, dass kein Mensch von jeglicher Schwäche, Irrtum, gar gelegentlichem ‘Abweichen’ dauernd gesichert ist. Auch bei ernstestem Bemühen ist man dagegen nicht gesichert. Aber auch nach solchem, Bemühen und Abweichen, hat der Jude nicht aufgehört, “jüdisch” zu sein. Bei aufrichtiger Reue und frischem Elan in der gesamten Erfüllung des Göttlichen Willens, gewinnt er wiederum den Anschluss an die Thora, und an das Göttliche Wohlwollen, und bleibt dem jüdischen Volk erhalten.
In diesem Sinne ist vielleicht Ihre Bezeichnung, lieber Levi R., “ein ernsthaftes Bemühen”, auch nicht ganz unrichtig. Aber: “Ablässe”, das gibt es sicher nicht.
Es existieren menschliche Schwächen, Irrtümer oder auch Unkenntnis, die einen Menschen dazu verleiten können, das eine oder andere einmal nicht oder falsch zu tun. Doch im Grundsatz ist der Jude allseits verpflichtet, die Ge- und Verbote (613 an der Zahl) auszuüben, wenn man einmal von jenen absieht, die beispielsweise nur mit dem Heiligen Land oder dem Tempeldienst in Verbindung stehen.
"Bei aufrichtiger Reue und frischem Elan in der gesamten Erfüllung des Göttlichen Willens, gewinnt er wiederum den Anschluss an die Thora,..." So hatte ich mein ernsthaftes Bemühen auch gemeint - und Ablass überlasse ich gerne anderen Religionen. Also vielen Dank für den Einblick in ihr Verständnis des Judentums.
AntwortenLöschenLevi R. Goldstein