Sonntag, 18. März 2012

Genosse Sigmar, "mehr Mut wagen!"

Von REUVEN J. CABELMAN

Leider kam es wie es kommen musste und der Bundesvorsitzende der SPD hat bereits jetzt und dazu noch aus der Ferne des Nahen Ostens, ob seiner im Überschwang von Negativgefühlen geäußerten "Apartheidsschelte" gegen die Zustände in Hebron sozusagen mit "persönlich Betroffenen" und - neben der Kanzlerin - den offenbar wichtigsten Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland Kontakt aufgenommen: Mit dem Vorsitzenden des zionistischen Zentralrats, der sich als Vertreter der Juden ausgibt und einem seiner Chefs, nämlich dem Botschafter des nationalzionistischen Apartheidstaats in Berlin. Gabriel will anscheinend "klarstellen", "freundschaftlich über alles reden" und womöglich Abbitte leisten für seinen "Ausrutscher".
 
Man sollte Verständnis für Gabriels angekündigten und zu erwartenden "Umfaller" haben, verfügen Politiker in seiner Position doch nur selten über die Kraft und vor allem nicht über den Charakter sich gegen die zionistischen Machenschaften und Intrigen standhaft zur Wehr setzen zu können. Zuviele Exempel wurden in den letzten Jahrzehnten statuiert, die auch Gabriel nicht entgangen sind. Es bleibt ihm somit aus seiner Sicht keine andere Wahl - sofern er nicht in der politischen Versenkung verschwinden will - als ganz klein beizugeben.

Ein Beispiel unter vielen die zionistische "Hasbara" und Verfolgungsjagd gegen Sigmar Gabriel betreffend ist die Stellungnahme des Vorsitzenden einer anderen in Deutschland installierten zionistischen Kampforganisation, nämlich der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover.


Kay Schweigmann-Greve kritisiert den SPD-Bundesvorsitzenden für dessen Apartheid-Vergleich mit den folgenden Worten:


"Die Äußerungen des SPD-Bundesvorsitzenden sind eine böse Entgleisung. Den souveränen und demokratischen Staat Israel mit dem Apartheidsregime in Südafrika gleichzusetzen ist ein Schlag ins Gesicht der Israelis. Dies gilt insbesondere, da gleichzeitig die Menschen in Südisrael unter dem Raketenterror leiden. Wenn es zurzeit einen „rechtsfreien Raum“ im Nahen Osten gibt, dann in Homs, wo die syrische Regierung ihre eigene Bevölkerung massakriert, und nicht in Hebron!

Seine Äußerung zeugt von wenig Sensibilität für die Vorgänge im Nahen Osten und bedient billige antiisraelische Reflexe in Deutschland. Sigmar Gabriel muss sich von seiner unsinnigen Äußerung klar und deutlich distanzieren. Seine nachgeschobenen Beschwichtigungsversuche sind ungenügend."


Uns wurde die Antwort eines Passbürgers des zionistischen Staates auf dieses sattsam bekannte und monotone pro-zionistische Gewürge von Leuten wie Schweigmann-Greve zugespielt, die wir hier nachstehend - trotz oder auch wegen der teilweise "harten Worte" veröffentlichen:


"Mein Name ist Uri Shani, ich bin Israeli.


Ich danke Ihnen, dass ich durch Sie über den Besuch von Herrn Gabriel und über seine Stellungnahme hörte.


Ich danke Ihnen auch, dass Sie versuchen, mich zu verteidigen. Ich bitte Sie, dies in Zukunft zu unterlassen.


Waren Sie einmal in Hebron?


Ich war das letzte Mal vor zwei Wochen dort, ich wurde vom Militär des Staates, dem ich unerträglich hohe Steuern zahle, mit Scheiße bespritzt. Und ich meine das wörtlich. Drei Tage lang habe ich gestunken, weil ich gegen die Apartheid in Hebron und in diesem Land überhaupt demonstrieren wollte. Als wir mit der Demonstration begonnen hatten, kam gerade ein Beerdigungszug auf die Straße. Wir ließen sie durch, damit sie nicht warten mussten. In diesem Moment hat das israelische Militär Stellung bezogen und danach auch den Toten mit Scheiße bespritzt, denn als Palästinenser darf man in diesem Land nur mit Scheiße bespritzt begraben werden.


Ich habe geweint, weil wir auch mit Tränengas bombardiert wurden.


Herr Schweigmann, das hatten wir nicht nötig, denn aus Wut und Trauer hätten wir sowieso geweint.


Solche Schläge ins Gesicht, Herr Schweigmann, erhalte ich sehr oft, weil ich nicht zufrieden bin hier. Die Äußerung von Herrn Gabriel aber gibt mir Mut und stärkt mich. Nicht alle Deutsche lassen sich mit der Antisemitismuskeule erschlagen.


Was haben Sie, Herr Schweigmann, gegen das Massaker in Homs gemacht?


Die palästinensischen Bewohner von Hebron, und auch in Ramallah und in Haifa, haben wenigstens dagegen demonstriert.


Warum betonen Sie eigentlich, dass Israel ein 'souveräner und demokratischer Staat' sei. Soll ich Ihnen sagen, was ich davon halte?


Ich bitte Sie, Herr Schweigmann, wenn Sie mich unterstützen wollen, dann verhindern Sie doch bitte zum Beispiel die nuklearen U-Boot-Geschäftes ihres Staates mit Israel. Oder kommen Sie doch wenigstens einmal und sprechen Sie mit den Opfern dieser Regierung, auch mit den Staatsbürgern, die kein Haus haben, keine Arbeit haben, kein Essen haben. Darunter sind auch Schoah-Überlebende, Herr Schweigmann.


Ansonsten – bleiben Sie, wo Sie sind und lassen Sie mich wenigstens um mein Leben kämpfen! Die Scheiße, mit der ich von meiner Regierung bespritzt werde, reicht mir." 


Im Grunde wäre diesen Zeilen des Uri Shani aus Kiryat Tiv'on an Schweigmann aus Hannover auch von unserer Seite kaum etwas hinzuzufügen, Herr Gabriel. Außer, dass Sie es doch eigentlich nicht nötig hätten, vor diesen selbsternannten "Judenführern" wie Graumann und anderen Agenten des Nationalzionismus in Deutschland ihr Gesicht zu verlieren. Bedenken Sie bitte, dass diese weder das Judentum noch alle Juden vertreten.

Bleiben Sie standhaft Herr Gabriel und folgen Sie den Pfaden eines Willy Brandt und vor allem jenen des Juden Bruno Kreisky. Dann haben Sie die Chance ein Großer Ihrer Nation und der Sozialdemokratie zu werden. Nicht nur die arabischen Palästinenser, die israelische Friedensbewegung, das orthodoxe Thora-Judentum in und außerhalb Palästinas sowie eine Mehrheit der Deutschen würde Ihnen für Ihren Mut und den damit verbundenen Einsatz danken, sondern Sie hätten darüberhinaus einen Anteil an der Entwicklung des Weltfriedens. Mit G-ttes Hilfe sollten Sie sich also richtig entscheiden.    

Kommentare:

  1. Danke Herr Cabelman. Ein aufrechtes Appell an Gabriel.

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  2. Ich habe einen Lobbrief an den Genossen Sigmar Gabriel, für seine mutigen wie ehrlichen Worte, als das zionistische Regime Israels mit Apartheid verglich, geschrieben. Ich habe auch einen offenen Brief an die Lobbyisten Gröhe und Missfelder, in dem ich ihnen deutlich und klar die Leviten gelesen habe (habe ich auch an Sie geschickt). Um so größer mein Trauer und Enttäuschung, als Gabriel zurück ruderte. Karrierescheint wichtiger als man sich selbst und seiner Prinzipien bleibt. Jammerschade.
    Ich bin jetzt dabei, ihm noch eine Mail zu schicken, in der ich mein Unmut ausdrucken möchte.

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  3. Dr. Muza,

    sparen Sie sich die Zeit. Um heute Politiker sein zu können, muß man ein Rückgrad aus Gummi haben. Das ist der "Zeitgeist". Leider.

    Gabriel ist darin Meister. Siehe seine Verhaltensweise gegenüber Sarrazin.

    Wir leben - hoffentlich am Ende - eines extrem dunklen Zeitalters. Müßig die Schlagworte der Verbrechen aufzuzählen, die alle von irgendeiner Seite als richtig oder als "alternativlos" bezeichnet werden.

    Wie sagte mal eine Madeleine Albright (ein erlogener Name): 500.000 von den USA ermordete Kinder im Irak waren "es wert".

    Der Fürst dieser Welt hat totale Narrenfreiheit.

    Gruß
    ein katholischer Deutscher

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    1. Katholischer Deutscher,

      Zustimmung. Aber einmischen ist geboten. Was der tschechoslowakin Madeleine Korbel, angeblich Katholiken, und ihren berühmt-berüchtigten Satz über die 500.000 ermordeten Kinder in Irak, anbetrifft, lassen erstmal beiseite.

      Hier mein angekündigter Brief an Gabriel:

      Sehr geehrter Herr Parteivorsitzender,
      lieber Genosse Siegmar,

      Endlich jemand, der das Kind beim Namen nennt. Du hast die richtigen Worte gefunden, ohne Umschweife. Wie Israel mit den Palästinensern umgeht, übersteigt jeder Beschreibung. Man glaubt es erst, wenn man das mit den eigenen Augen beobachtet hat.

      Für Deine ehrlichen und mutigen Worte möchte ich dir sehr danken. Leider, bekommt man hier durch die Medien oft ein verzerrtes Bild von der Lage dort.

      Ich bin Deutscher palästinensischer Abstammung, in Haifa geboren und weiß wovon ich rede, wenn über Apartheid geredet wird. Ich möchte sogar differenzieren und unterscheide, zwischen der abgeschafften Apartheid in Südafrika und das, immer noch, nach über 45 Jahren existente, Apartheidregime in Palästina. Nämlich, in Südafrika wurde die schwarze Bevölkerung nicht aus ihrer Heimat vertrieben. Sie wurde auch nicht mit F-16 Fighting Falcon und Apache Hubschraubern bombardiert und mit Phosphorbomben in Gaza verbrannt. Die Menschen dort wurden nicht außergerichtlich exekutiert. Die Apartheid in Südafrika hat schwangere Frauen nicht an Checkpoints gehindert, zum Krankenhaus zu gelangen, bis sie das Kind tot zur Welt brachten. Sie hat auch nicht kranke Menschen Greise, Frauen und Kinder daran gehindert, zum Krankenhaus zu gehen, bis viele von ihnen an den Checkpoints, vor den Augen der Soldaten, krepierten. Dazu kommen die tagtäglichen Demütigungen, Erniedrigungen, Diskriminierung und Schikane aller Art, die die Palästinenser ununterbrochen ausgesetzt sind. Häuserzerstörungen, Plantagen- und Felderrodungen und und und. In Israel sind zweierlei Rechtssysteme. Diese Liste ist unendlich. Von den Tatsachen erfährt man hier, wenn überhaupt, leider, nur ein Minimum.

      Nach dem Du dir einen Überblick von der Situation dort verschaffen konntest, hast du recht nach sozialdemokratischen Grundwerten gehandelt und konsequent Partei ergriffen, eben für die benachteiligten Menschen. Dafür gebührt dir Dank und du hast jede Unterstützung verdient, die ich dir hiermit versichere.

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  4. Es gibt zu dem Bericht von Uri Shani auch ein Video.
    http://www.btselem.org/video/2012/02_skunk_hebron

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