Samstag, 15. September 2012

Erklärung zur Stellung der Tora in Sachen Homosexualität

Englische Original-Erklärung rabbinischer Persönlichkeiten

Dieser Text wurde bisher von 222 jüdischen Rabbinern, Gemeindevorstehern und Psychologen unterschrieben.

In den letzten Jahrzehnten ist es in der Haltung der säkularen Welt gegenüber der Homosexualität zu monumentalen Veränderungen gekommen.

Besonders in den letzten 15 Jahren gab es eine große öffentliche Kampagne, die eine Akzeptanz der Homosexualität erreichen will. Die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe ist ihr Endziel, um die Homosexualität mit der Heterosexualität gleichzustellen.

Ein Propaganda-Blitz ist über die Welt gefegt. Er verwendete politische Taktiken, um die Öffentlichkeit von der Legitimität der Homosexualität zu überzeugen. Die Medien sind voll von negativen Etiketten, mit denen erklärt wird, daß man „haßerfüllt“ oder „homophob“ sei, wenn man den homosexuellen Lebensstil nicht als legitim anerkenne.

Diese politische Nötigung hat viele in eine schweigende Ergebung gezwungen. Leider hat sich diese Haltung auch in die Tora-Gemeinschaft eingeschlichen. Viele sind verwirrt worden oder haben die Darlegung dieser Frage durch die Medien akzeptiert.

Indem sie die Homosexualität streng verbietet, stellt die Tora klar fest, daß die Homosexualität kein akzeptierbarer Lebensstil und keine echte Identität ist.

Weiter warnt sie in Lev 20,23 im Wissen um negative weltliche Einflüsse: „Folge nicht den Traditionen der Nationen, die ich vor euch vertreibe“. Das schreibt die Thora insbesondere bezüglich der Homosexualität und bezüglich anderer verbotener sexueller Beziehungen.

Aus einer Perspektive der Tora ist die Frage, ob homosexuelle Neigungen oder Verhaltensweisen veränderbar sind, äußerst relevant. Die Vorstellung, daß G’tt einen Menschen hätte schaffen können, der in einer liebenden Gemeinschaft nur dann Glück finden kann, wenn er die biblischen Verbote bricht, ist weder plausibel noch akzeptabel.

G’tt liebt und ist barmherzig. Kämpfe, auch schwierige Kämpfe sowie Heilung und persönliches Wachstum sind ein Teil des Lebens in dieser Welt. Unmögliche, lebenslange und von der Tora verbotene Situationen ohne erreichbare Lösungen sind es nicht.

Wir weisen die Vorstellung, daß eine homosexuell geneigte Person ihre Neigungen und Wünsche nicht überwinden kann, mit Nachdruck zurück. Verhaltensweisen sind veränderbar. Die Tora verbietet nicht, was unmöglich zu verhindern wäre.

Menschen einer lebenslangen Einsamkeit und Verzweiflung zu überlassen, indem man ihnen alle Hoffnung auf eine Überwindung und Heilung der gleichgeschlechtlichen Anziehung rauben würde, ist von einer herzlosen Grausamkeit. Eine solche Haltung verletzt auch das biblische Verbot in Lev 19,14: „Du sollst keinen Stolperstein vor den Blinden legen.“

Der einzig gangbare Weg, der mit der Tora übereinstimmt, sind Therapie und Umkehr. Die Therapie besteht in einer Stärkung der natürlichen Geschlechts-Identität des Einzelnen, indem man ihm hilft, die emotionalen Wunden, die zu seiner Verwirrung und Schwächung führten, zu verstehen und zu heilen. So ermöglicht man eine Wiederaufnahme und Vollendung der persönlichen emotionalen Entwicklung.

Die Reue ist ein von der Tora befohlener, selbst-motivierter Prozeß, durch den man sich von jeder Art von Übertretung und Sünde abwendet und zu G’tt und dem eigenen spirituellen Wesen zurückkehrt. Das heißt auch, daß man die eigene Persönlichkeit verfeinert und neu integriert und ihr erlaubt, auf eine gesunde und ganzheitliche Art zu wachsen.

Diese Prozesse werden gewöhnlich durch einen besonders geschulten Berater oder Therapeuten, der zusammen mit einem qualifizierten geistlichen Lehrer oder Begleiter arbeitet, erleichtert und koordiniert.

Es gibt keine andere praktische und von der Tora sanktionierte Lösung für dieses Problem.

Es erfordert von einer Person ungeheuer viel Mut und Tapferkeit, sich gleichgeschlechtlichen Neigungen zu stellen und mit ihnen umzugehen. Zum Beispiel wird ein 16jähriger, der mit diesem Problem kämpft, verwirrt und verängstigt sein und nicht wissen, mit wem er reden oder welche Schritte er unternehmen soll.

Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, in der dieser Jugendliche (oder sonst jemand) frei zu den Eltern, einem Rabbiner oder einem Mentor sprechen kann und mit Liebe und Mitleid behandelt wird. Autoritätspersonen können Menschen, die mit gleichgeschlechtlichen Neigungen kämpfen, auf den Pfad der Heilung und der Überwindung ihrer Neigungen führen.

Dabei ist es wesentlich, sich zu erinnern, daß diese Personen zunächst unschuldige Opfer emotionaler Wunden aus der Kindheit sind. Sie verdienen in ihrem Kampf um Heilung unsere ganze Liebe, unsere Unterstützung und Ermutigung.

Kämpfer, die sich um Gesundheit und Wohlergehen bemühen, sollten nicht mit der Homosexuellen-Bewegung oder deren Agenda in einen Topf geworfen werden. Diese Unterscheidung ist wesentlich. Sie reflektiert die Unterscheidung zwischen dem, was G’tt von uns allen fordert, und dem, was er eindeutig verbietet.

Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um diese Personen in ihrem Ringen in Liebe zu einem vollen und gesunden Leben zu führen, das mit der Liebe, Freude und der Weisheit der Tora gefüllt ist.

Kommentare:

  1. Ich bitte Sie das nicht ernst zu meinen und möchte auf die dauernd wiederkehrende Unterdrückung von allem nicht-männlichem verweisen.
    Bislang habe ich gerne auf dieser Seite gelesen...

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    1. Da muß ich Sie dann leider enttäuschen. Als Juden sind wir gehalten, uns nach dem auszurichten, was uns die Thora auferlegt und unsere Thora- und Talmud-Gelehrten empfehlen. Das war im Judentum nie anders. Aus dem selben Grunde ist die jüdische Religion ja auch antizionistisch.

      Die Verfasser obiger Resolution gehören zu den größten Gelehrten der heutigen Generation, die sich dieses Themas endlich auch öffentlich annehmen.

      "Der Israelit" ist nicht dazu da, irgendeinem Mainstream nach dem Munde zu reden, ob es sich dabei um Zionismus oder um dieses Thema hier handelt.

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    2. Ohne die wichtigkeit dieses Themas in Frage zu stellen: Sind es nicht diese Rabbiner die zum Teil voll und ganz hinter und für den zionistischen Staat stehen?!

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    3. Nein, kann im Gegenteil. Die meisten davon sind Antizionisten oder zumindest Nichtzionisten. Selbst wenn einige dabei wären, die auf irgendeine Weise den Zionismus unterstützen, ändert dies nichts an der Richtigkeit dieser Resolution.

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    4. Eine Frage aus Interesse am Judentum: Lehnen Sie den spirituellen Zionismus genauso ab wie den politischen, und wenn ja, aus welchem Grund? Danke im voraus für die Antwort.

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    5. Was soll das denn sein, "spiritueller Zionismus"? Zweite Gegenfrage: Was hat diese Frage mit dem Thema hier zu tun?

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    6. das "religiöse" Zionismus ist das spirituelle, oder nicht? Es sind doch die Massen von religiöse Zionisten die im Namen der jüdischer Religion sprechen. Verstehe Ihre Gegenfrage nicht.

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    7. Jetzt wird es schon deutlicher, was Sie meinen, wobei mir immer noch nicht klar ist, warum Sie diese Frage hier unter diesem Thema stellen. Dennoch eine Antwort:

      Der "religiöse Zionismus" ist selbst hochpolitisch und ist eine erwünschte und in manchen Zügen radikalere Ergänzung des politischen oder säkularen Zionismus.

      Wenn Sie den folgenden Artikel http://www.derisraelit.org/2010/01/was-haben-die-zionisten-mit-dem.html herunterscrollen bis zur Zwischenüberschrift "Der eklatante Widerspruch: Religiöser Zionismus" werden Sie ab da eine klare Antwort finden, so hoffe ich.

      Der religiöse Zionismus ist aus der "Mizrachi"-Bewegung entstanden, die als eine kleine Minderheit innerhalb des religiösen Judentums Schritt für Schritt sich in eine beachtliche Mehrheit verwandeln konnte. Die Mizrachisten unter Führung von Rabbiner Kook unterstützten die säkularen Zionisten in dem Gedanken einen "jüdischen Staat" aufzubauen. Hilfreich dabei waren dann später vor allem die Ergebnisse des 2. WK, sprich die Zerschlagung großer Teile des orthodoxen Judentums, später dann auch gut dotierte Posten als "Oberrabbiner" des dann gegründeten Staates, Abgeordnetengehälter, Parteiensubventionen, Ministerposten etc. Dafür mußten Thora und Talmud dem zionistischen Gehäuse angepaßt und verfälscht werden. Wie gesagt, anfangs hatten die Mizrachisten unter Kook weder große Anhängerschaft noch irgendein Ansehen bei orthodoxen und strenggläubigen Juden, weder in Palästina noch in anderen Ländern. Was ursprünglich als eine kleine Minderheit begann, wurde zur Mehrheit und die alte Mehrheit zur Minderheit. Aber wir - also das authentisch-orthodoxe und nicht-zionistische Judentum wächst - G-tt sei Dank - wieder stetig und das trotz der vermeintlichen Allmacht des religiösen Zionismus.

      Es existieren etliche weitere Artikel und Schriften zu diesem Thema, die alle hier zu zitieren aber einfach zu weit führen würde.

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  2. Endlich wird es mal Zeit das jemand genau so drüber spricht. Mich widert es an wie man heutzutage in dieser Gesellschaft hinter vorgehaltener Hand über dieses Thema sprechen muss, um nicht als "Homophob" dazustehen.
    Homosexualität wird immer mehr zum Mainstream und zu einer art Kult. Dieser gesellschaftliche Zerfall muss aufgehalten werden...

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  3. "Aus dem Streit der Gegensätzte ensteht die Harmonie." (Heraklit)

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    1. "Der höchste Friede ist der Friede zwischen Gegensätzen" (Rabbi Nachman zt"l).

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  4. Prima, ein klares Statement, und ein Licht am Horizont für die Verirrten.

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  5. „Die Harmonie ist buntgemischter Dinge Einigung und verschieden gestimmter Zusammenstimmung. Sie ist ganz aus Entgegengesetztem entstanden“(Pythagoras).

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    1. "Harmonie ergibt sich aus der Analogie der Gegensätze" (Rabbi Shimeon Bar Yochai).

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  6. Wir stehen hier in ein und demselben Acker, darin wir wachsen, Gott hat uns hineingesät und aus demselben Korn wachsen wir alle.
    Jakob Böhme, (1575 – 1624), Schuhmachermeister, deutscher Mystiker und Theosoph

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    1. "Nur wenn sich Mann und Weib vereinigen und sie eine Seele und ein Leib werden, wird der Mensch eins genannt. Auf solche Weise weilt der Allheilige im »Eins« und sendet den Geist der Heiligkeit in jenes »Eins«." (Sohar).

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  7. werter herr cabelmann,

    es entbehrt nicht einer gewissen ironie, dass dieser artikel auf einer homepage präsentiert wird, die sich explizit dem andenken von Jakob Jisroel de Haan widmet.

    was hätte de haan wohl zu diesem artikel gesagt?

    p.maxwell

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    1. Ich will mir nicht anmaßen, darüber zu spekulieren, was de Haan zu diesem Artikel gesagt hätte. Mit einiger Gewißheit kann man aber durchaus davon ausgehen, daß er den diesen Appell unterzeichnenden Rabbonim gefolgt wäre in ihrem Thora-Standpunkt, so wie er damals den Großen unseres Volkes in seinen Handlungen und Taten gefolgt ist. Nicht umsonst war er der Sekretär des damaligen Thora-Führers im Heiligen Land.

      Was man allerdings mit Sicherheit sagen kann, ist, daß de Haan seine homosexuelle Neigung nicht in der Öffentlichkeit als "alternatives Lebensmodell" anpries, an Paraden teilnahm oder eine Gleichstellung mit der Ehe forderte.

      Zudem - und das muß hier eigentlich nicht extra betont werden, weil es aus dem Artikel im Grunde sehr anschaulich entnommen werden kann - richtet sich niemand gegen Menschen, sondern gegen deren Aveiros (Sünden), denen man widerstehen lernen sollte und die es zu überwinden gilt. Darin liegt die Prüfung.

      Diesen Standpunkt vertrat das Judentum schließlich schon immer und de Haan ist ja geradezu das beste Beispiel dafür, denn trotz bzw. wegen seiner Neigung suchte er schließlich den Weg, die Umkehr, zum religiösen Judentum. Oder glauben Sie etwa, daß ihm ausgerechnet die g-ttlichen Geboten diesbezüglich nicht geläufig waren?

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  8. Ich bin mir da noch nicht sicher, ich vermute unterschiedliche Ursachen für Homosexualität und denke auch die hier beschriebene, durch emotionale Fehlentwicklung verursachte, kann man heilen. Aber es dürfte nicht einfach sein, das will ich auch erstmal sehen bzw. schaffen.

    Nun aber, werter Rebbe, mal eine Frage. Wie hat das Gott denn dann mit den Hermaphroditen gemeint? Also Menschen die bei Geburt nicht eindeutig als Mann oder Frau zu identifizieren sind. Da gibt es ganz unterschiedliche Ausprägungen, bei manchen ist äußerlich alles in Ordnung, aber es gab schon Sportlerinnen die nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen durften, weil ihr Körper zu männlich war, wie Mediziner durch Hormontests usw. feststellten.

    Immer noch ein Tabuthema!

    Ich denke, das kann man dann nicht durch Therapie heilen, wenn dadurch die sexuelle Orientierung nicht passt. Es könnte also auch - bei einigen - angeborene Ursachen haben. Von Gott gegeben, Zwitterleben.

    Ich muss aber auch sagen, dass der Hype darum nicht gut ist, für viele wird es so zu einem Lifestyle und das ist wirklich nicht in Ordnung. Aber letztlich ist es deren Verantwortung, sie müssen damit leben und zerstören ihr Gefühl für die Liebe damit. Man wird ja schon fast dazu aufgefordert es unbedingt mal zu probieren. Das ist wirklich zu viel und eine übertriebene gesellschaftliche Kampagne, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt.

    Grundsätzlich bin ich da trotzdem immer für Toleranz.

    Schöne Grüße,

    ein konfessionsloser Antifaschist.

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    1. Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag und den neuen Aspekt, den Sie darin berühren!

      Nun, in der Thora heißt es: "Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf Er ihn. Mann und Frau schuf Er sie" (Genesis 1,27).

      "Mann und Frau schuf Er sie"! Die gesamte jüdische Literatur sieht darin die eindeutige Aussage, daß der erste Mensch, Adam, - wenn Sie so wollen - im Grunde auch der erste Hermaphrodite war und die Teilung in zwei getrennt-geschlechtliche Menschen erst etwas später erfolgte. Das kennen Sie wahrscheinlich aufgrund der "Rippe", also der Trennung, die das einheitliche Geschöpf dann in Mann und Frau (Ish/Isha) erfuhr.

      Vor allem der Talmud oder Schriften wie das "Sefer Jezira" oder "Der Sohar" gehen darauf intensiv ein und bieten auch die Grundlagen zum halachischen (jüdisch-gesetzlichen) Umgang mit dieser Frage, die wiederum ihrerseits ihren Niederschlag in rabbinischen Schriften, Debatten und Entscheidungen fanden und noch finden. Einen relativ weiten Einblick in diese Erörterungen aus rein jüdischer Sicht kann man unter diesem Link finden: http://www.daat.ac.il/daat/english/journal/cohen-1.htm

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