Dienstag, 20. November 2012

Die Zerreißung Oberschlesiens

Authentisches Judentum zur Teilung Deutschlands als Folge der Niederlage im 1. Weltkrieg. Wieviele Lichtjahre sind wir heute "dank" zionistischer Verseuchung der Gehirne und Seelen von diesem Judentum entfernt?

Ein historischer Aufsatz aus der Israelit-Ausgabe vom 17. November 1921:


Die Genfer Entscheidung in der oberschlesischen Frage bedeutet nur zur ersten unwesentlichen Hälfte ein Salomonisches Urteil und nur insoweit, als auch hier der Machtspruch lautete: "Zerschneidet das Kind!" Damit aber hören Weisheit und Einsicht auf, denn man zerschnitt das Kind wirklich, ohne auf die in verzehrendem Weh sich windende wahre Mutter weiter zu achten.

Und wo irgend auf Erden ein Unrecht im großen geschieht, bekommen wir Juden unser gehäuftes Teil dabei ab. Das war schon bei Kriegsausbruch, in den verschiedenen Phasen des Krieges und ist auch jetzt bei der Liquidation des traurigen Erbes von August 1914 in gleichem Maße der Fall.


Mit der verfügten Abtrennung des oberschlesischen Industriegebietes vom deutschen Staatsverbande wird die deutsche Judenheit wiederum um etwa 10 000 Seelen ärmer. In Kattowitz zählte die jüdische Gemeinde 1913 rund 3500, in Königshütte etwa 1000 Seelen. Nach diesen Gemeinden sind Myslowitz mit 500, Tarnowitz und Rubnik mit je 400, Pleß und Lublinetz mit je 300, Nikolai und Loslau mit je 200 jüdischen Seelen zu nennen. Es kommen noch mehrere Landgemeinden hinzu, die die obengenannte Gesamtzahl vervollständigen.

Dieser jüdische Prozentsatz wäre an sich bei einem Millionenverlust an Bürgern für Deutschland nicht allzugroß. Aber es soll in diesem Zusammenhange gar nicht davon gesprochen werden, was wir Juden Deutschlands mit diesem Ausfall verlieren, sondern vielmehr von dem, was sie, unsere Brüder in den abgetretenen Gebieten, verlieren, von der rein menschlichen Tragödie dieser deutschen Altbürger Oberschlesiens, die sich unter weit schwierigeren Umständen als die christliche deutsche Bevölkerung seelisch, politisch und im praktischen Tun auf die Neuordnung der Dinge einzustellen haben.

Dem christlichen Deutschen wird im schlesischen Neupolen die Betätigung seines Deutschtums auch nicht gerade leicht gemacht werden, aber man wird ihm aus seiner deutschen Gesinnung schließlich keinen Vorwurf machen, ihm seine deutsche Art nicht zum Verbrechen stempeln. Vom Juden wird man, wie man dies schon allezeit in den polnischen Kreisen Deutschlands getan, polnische Gesinnung, polnische Art a priori erwarten, um ihn bei all dem noch zu verdächtigen und zu verfolgen. Man wird von ihm zuerst die Polonisierung seines Hauses, seiner Sprache, seiner Schule verlangen, ungeachtet dessen, daß gerade der Jude seit Generationen mit der deutschen Kultur in den Ostprovinzen Deutschlands am engsten verwachsen ist. Juden waren die Väter der oberschlesischen Industrie. Die Geschichte der Hüttenwerke in Oberschlesien beispielsweise sieht auf Namen wie Elias Sachs, Salomon Hammer, Moritz Friedländer, David Löwenfeld, Rothschild und Sternberg als auf ihre ersten Pioniere zurück. Der Jude in Oberschlesien ist in seinem politischen Denken und Fühlen deutsch geblieben, obwohl oder gerade deshalb, weil er für sein Deutschtum leiden mußte, allem Undank zum Trotze, den er in den letzten Jahren des Hasses und des Mißtrauens von deutscher Seite geerntet hat.

Es war gewiß nicht allein Furcht vor der drohenden polnischen Pogromlust, die dem Juden bei der Abstimmung den deutschen Stimmzettel in die Hand drückte. Es war innerste Reichsdeutsche Gesinnung, Glaube an Deutschlands Kraft und Zukunft, Bekenntnis zur deutschen Kulturgemeinschaft. Er könnte nun Polens Hand doppelt, als Deutscher und Jude zu verspüren bekommen.

Möglich wäre es aber, daß die Polen nun, im Gegensatz zu früheren Zeiten, den Sinn der für sie arbeitenden Geschichte endlich begreifen und sich der guten schaffenden Kräfte und Elemente zum Ausbau der jungen Republik und zur Konsolidierung der politischen Verhältnisse im Lande zu bemächtigen suchen werden. Dann wäre die Prognose für die kulturell hochentwickelte, politisch geschulte und wirtschaftlich tüchtige jüdische Bevölkerung Oberschlesiens durchaus keine schlechte. Es erübrigt sich, die Mahnung an unsere Brüder in den abgetretenen Gebieten zu richten, bei aller Treue zu den alten Traditionen als loyale Bürger des neuen Staates an seinem Aufbau kräftig mitzuarbeiten. Diese Mahnung hat bereits der Prophet Jirmejahu vor zweieinhalb Jahrtausenden an die Brüder in Babylon gerichtet, und sie hat für uns in allen Stürmen und Übergängen der Zeiten bis auf den heutigen Tag ihre Gültigkeit behalten.

Nicht unerwähnt bleibe aber der jüdische Anschluß, der Anschluß an eine volljüdische Millionenbevölkerung, der sich den Juden des schlesischen Neupolen eröffnet und der noch vielleicht ein Aktivum in diesem schmerzlichen Trennungsakte ausmacht; und vollends den Gesetzestreuen in Stadt und Land des polnischen Oberschlesien sei es gesagt: Die polnische Judenheit von heute ist in ihrer äußeren Struktur nicht mehr die von vor zehn Jahren. Die Zeichen der Zeit sind an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Die Gesetzestreuen sind, von zielbewußten Führern geleitet, in einer Organisation, der Tochterorganisation der Agudas Jisroel Schlome Emune Jisroel vereinigt und wissen ebensowohl gute, kräftige jüdische Aufbauarbeit nach innen zu entfalten, wie über ihre Rechte und Interessen nach außen zu wachen. Die neue Blutzufuhr, der Zuwachs an Arbeitskraft aus der guten politischen Schule des früheren Deutschland kann diesem orthodoxen Verbande, Polens Judenheit wie dem Gesamtjudentum, dessen geistige Grenzen von keinem Machtspruch zeitlicher Weltbeherrscher verrückt werden können, von unermeßlichem Segen sein.

In Kattowitz, der größten Gemeinde des abgetrennten Gebietes, wurde seinerzeit der Grundstein zur Weltorganisation der Agudas Jisroel gelegt. Der Geist von Kattowitz wird bei den guten Elementen innerhalb der zehntausend an Polen übergehenden jüdischen Seelen das Gefühl treuer Gemeinschaft mit den Gesinnungsgenossen hüben und drüben aufrecht und lebendig erhalten.

Kommentare:

  1. Sehr interessant dieser Artikel, Herr Cabelman.

    Ich beschäftige mich mit der Thematik des jüdischen Nationalismus und seinem Entstehen nun erst seit kurzem. Die jüdischen Schriften und Denkrichtungen als Außenstehender zu erfassen und zu begreifen ist sicherlich ein weiteres komplexes nur schwer erschließbares Feld. Daher verwundert es mich, wenn ich Videos und Statements von Leuten wie Horst Mahler sehe, die meinen sie hätten Botschaften aus Thora und Talmud verstanden. Aber ich möchte überhaupt nicht Diskusionen hierüber anstoßen.

    Um auf Ihre einleitenden Worte zurückzukommen, so ist es meiner Meinung nach völlig (und leider) aus dem kollektiven Bewusstsein der Deutschen verschwunden, oder zumindest scheint es nicht vorstellbar, dass Juden ebenfalls Reichsbürger waren und wie ich es, mit meinem bescheidenen Überbick über die Nationenbildung Israels und der jüdischen Geschichte, bei Diskusionen anmerke, dass wir "gewöhnliche" Deutsche sowie die Nachriegsregierungen es offenbar verpasst haben den überleben jüdischen Deutschen, aber auch Europäern ihre deutsche o.a. Nationalität zurückzugeben und ggf. dafür zu werben (mit finanziellen oder mit sonstigen Anreizen) "unsere Leute" zurückzuholen. Schon allein der Gedanke, dass wir unsere jüdischen deutschen Mitbürger haben ziehen lassen nach dem 2. Weltkrieg, ist im Massenbewusstsein ziemlich verloren gegangen heutzutage und die Emigration nach Israel wird als völlig normale und logische Konsequenz angesehen.

    Mit freundlichen Grüßen

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  2. Kann ja wohl nicht ernst gemeint sein dieser Artikel! Wissen Sie welch ein Hass im Vielvölkerstaat Schlesien damals herrschte?

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    1. Natürlich war dieser Artikel aus dem Jahre 1921 ernst gemeint. Aus diesem Grunde wurde er hier sozusagen als "Reprint" wieder eingestellt, um deutlich zu machen, daß das deutsche Judentum im Grunde gegen die Teilung Schlesiens war und auf dem Standpunkt stand, daß Oberschlesien deutsch bleiben sollte. Wir, d.h. das deutsche Judentum, wandte sich somit auch klar und unmißverständlich gegen die Bürden des Versailler Vertrages. Immerhin stimmten 60% der schlesischen Wähler damals in einer Volksabstimmung ebenfalls für den Verbleib bei Preußen.

      Der Artikel ist natürlich auch ein Zeugnis der Zeitgeschichte, geschrieben von jemandem, der damals lebte und auch die Lage in Schlesien selbst einzuschätzen wußte. Kann man dasselbe von Ihnen auch behaupten, Alexander Nikitin?

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  3. "Hass im Vielvölkerstaat Schlesien", Herr Nitkin, Sie haben nicht wenig, sondern >keine< Ahnung vom Thema. meine Sie wirklich Schlesien ??

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    1. Er meint offenbar den Hass in der Region Schlesien, nachdem Teile davon durch den Versailler Vertrag trotz deutscher Mehrheitsbevölkerung Polen zugeschlagen wurde. Selbstbestimmung wurde hier vorsätzlich verletzt. Die polnische Hatz auf Juden ging so weit, dass in der dreißiger Jahren Zehntausende Juden ins Dt. Reich flohen und unter ärmlichen Bedingungen in Berlin hausten.

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  4. Als authentischer Schlesake, dessen Familie Jarhunderte lang in Schlesien lebte, kann ich Ihnen Herr Nikitin nur recht geben, und danke Ihnen für das Aussprechen der Wahrheit! Nirgends in Deutschland, ausser vielleicht in Bayern (und im Sudetenland, wobei dies nicht zum Reichsgebiet gehörte), war die Unterstützung für die Nazis größer als in Schlesien. Der Hass der einzelnen Bevölkerungsgruppen damals, lässt sich vergleichen mit dem Hass im heutigen Jerusalem.

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