Donnerstag, 20. Dezember 2012

Zum Gedenken an Eduard Lasker

Nach jüdischer Zeitrechnung jährt sich der Todestag Eduard Laskers am heutigen 7. Teves. Damals, am 5. Januar 1884, erlag er in New York einem Herzschlag. Geboren wurde er am 14. Oktober 1829 zu Jaroczin in der Provinz Posen. Seine Eltern waren strengfromme Juden und sein Vater hatte ihn für das Talmudstudium und zum künftigen Rabbiner bestimmt.

Der junge Eduard war damit aber nicht einverstanden. Er entfloh dem Elternhaus, um das Gymnasium in Breslau zu besuchen. Ab 1847 begann er in derselben Stadt mit dem Studium der Mathematik und der Rechtswissenschaften. Ein Jahr später ging er dann nach Wien, das er jedoch in Folge des Aufstandes, an dem sich die Studentenschaft beteiligte, bald wieder verlassen mußte.


Sein Weg führte ihn sodann an die Universität Berlin, an der er 1851 das erste Staatsexamen ablegte und beim Berliner Stadtgericht eine Referendarstelle antrat. Anschließend begab er sich nach England, um das englische Verfassungsrecht an Ort und Stelle zu studieren. Dort blieb er über drei Jahre bis er schließlich wieder nach Berlin und in den preußischen Staatsdienst zurückkehrte.

Durch einige Abhandlungen, welche staatsrechtliche und politische Themata behandelten, lenkte der junge Lasker bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahre 1865 wurde er in das Abgeordnetenhaus gewählt, wo er der Fortschrittspartei beitrat. Es war in der Konfliktszeit: Regierung und Abgeordnetenhaus standen sich feindlich einander gegenüber. In schneidiger Weise griff Eduard Lasker das herrschende System an und rügte mit großem Erfolg die vielfachen Mißstände. Schon jetzt zeigte er sich als gewandter, tüchtiger und hervorragender Parlamentarier.

Die Blütezeit seiner parlamentarischen Wirksamkeit trat jedoch erst nach dem Kriege von 1866 ein. Er wurde schließlich der Gründer und Hauptführer der Nationalliberalen Partei.

Im norddeutschen Parlament sowie später im deutschen Reichstage wurde er einer der Hauptstützen der inneren Politik des Reichskanzlers. Er war es namentlich, der bei der großen, organisatorischen Gesetzgebung im Reichstage teils die Initiative ergriff, teils das Zustandekommen der Gesetze ermöglichte. Grundsätzlich hielt er sich von jeder Schönrederei fern. Seine Reden waren stets rein sachlich gehalten und wurden in ruhiger und gemessener Weise vorgebracht. Die Ruhe und Sachlichkeit seiner Vorträge, die stets von seinem Fleiße, seinem Scharfsinn und seinen bedenkenden Kenntnissen Kunde gaben, waren meistens von überzeugender Wirkung. Wenn Lasker sprach, und das geschah nicht gerade selten, so hörten ihm alle, Freunde und Gegner, mit der größten Aufmerksamkeit zu.

Den Höhepunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit erreichte er Anfang des Jahres 1873, als er mit Kraft, Mut und unschlagbarer Hingebung gegen das sogenannte Gründertum zu Felde zog. Die großen Reden, die Lasker in Bezug darauf im Februar des genannten Jahres hielt, waren von eingreifender und folgenreichster Bedeutung. Mit Mannesmut kämpfte er gegen die Korruption an und schonte die hohen Persönlichkeiten nicht, welche dieselbe mit ihren vornehmen Namen deckten.

Als im Jahre 1878 Fürst Bismarck seine wirtschaftliche Politik änderte, wurde Lasker aus einem Anhänger ein Gegner des Reichskanzlers. Er trat aus der nationaliberalen Partei aus und gründete die Partei der Sezessionisten, die zwischen der erstgenannten und der alten Fortschrittspartei in der Mitte stand.

Die ungeheuren Anstrengungen, welche Lasker im Jahre 1873 behuf seines Feldzuges gegen das Gründerunwesen gemacht, hatten seine Gesundheit tief erschüttert. In seinen letzten Tagen oft kränklich, unternahm er sodann eine Erholungsreise nach Amerika, von der er nicht mehr zurückkehren sollte.

Lasker war von kleiner Statur und echt jüdischem Typus. Aus seinem Organ klang die Sprechweise der aus der Provinz Posen stammenden Glaubensgenossen hervor.

Dem spezifischen Judentum stand Lasker leider durchaus fremd gegenüber. Dennoch hat das orthodoxe Judentum ihm viel zu verdanken. Er war es nämlich, der im Jahre 1876 mit voller Energie für die Gewissensfreiheit eintrat und seine kräftige Befürwortung brachte es dahin, daß der Landtag das Austrittsgesetz vom 28. Juli 1876 annahm, ein Gesetz, welches die orthodoxen Minoritäten von der Zwangsangehörigkeit zu reformatorischen Gemeinden befreit hat. Wie weit sind wir heute am Anfang des Jahres 2013 von diesem damaligen Fortschritt für das orthodoxe Judentum in Deutschland entfernt, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Zwangsmitgliedschaft - jetzt in einem zionistischen Dachverband - wieder existiert.
 

Der Name Eduard Lasker wird unvergeßlich sein und stets genannt werden, wenn von der Neubegründung des deutschen Reiches die Rede sein wird. Nie zuvor hat ein Glaubensgenosse auf die Entwicklung der öffentlichen Angelegenheiten in Deutschland einen solchen Einfluß ausgeübt wie Eduard Lasker. Seinem eigenen Anspruche zufolge verdankte er seinen epochemachenden Scharfsinn und seine strenglogische Denkweise dem Studium des Talmuds während seiner Knabenjahre. Vielleicht hätte sich seine Laufbahn noch glänzender und segensreicher gestaltet, wenn er den Gesetzen des Judentums treu geblieben wäre.

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