Donnerstag, 13. Dezember 2012

Zum SPD-Wald

Von REUVEN J. CABELMAN

Vor allem Stephan Kramer, der zum Nationalzionismus konvertierte deutsche Emporkömmling und Generalsekretär des Zentralrats der Zionisten in Deutschland ist es, der nun als SPD-Mitglied und unter deren Parteilogo für einen von der Partei zu stiftenden Wald im Negev wirbt. Anlaß ist der bevorstehende 65. Jahrestag der zionistischen Staatsgründung, die eine "Nakba" - eine Katastrophe - auch für die palästinensischen Juden gewesen ist. Kramer ist hinreichend bekannt als Einpeitscher und Hardliner, wenn es um zionistische Interessen in Deutschland geht.

"Ich finde es richtig und wichtig, daß unsere Partei, eine von ihrer Weltanschauung wie von ihrer praktischen Politik her fortschrittliche und freiheitliche Kraft, den Geburtstag Israels würdigt", so der zionistische Sozialdemokrat Kramer in seiner zentralen Werbeaussage für ein weiteres Wäldchen unter den Fittichen des bereits im Jahre 1901 auf dem 5. Zionistenkongreß gegründeten sogenannten "Jüdischen Nationalfonds". Was Massenmigration und damit einhergegangene Kolonisation, was Landraub, Okkupation und daraus folgende ethnische Säuberungen, Apartheidsmauer, Unterdrückung eines ganzes Volkes sowie permanenter Kriegszustand, Genozid und Mißachtung unzähliger UN-Resolutionen sowie Verstöße gegen das internationale Völkerrecht mit "Fortschritt und Freiheit" zu tun haben, wird wohl ein Geheimnis Kramers und der SPD bleiben. Vor lauter Wald sehen beide wohl die Bäume nicht mehr!




Wir veröffentlichen deshalb nachstehend eine Stellungnahme der Palästinensischen Gemeinde Deutschland (PGD) und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG) zu diesem Affront der deutschen Sozialdemokratie gegenüber dem palästinensischen Volk und verurteilen diese sehr einseitige pro-zionistische Kampagne der Partei auf das Schärfste:

Tatsächlich gibt es immer noch Vorhaben, immer noch Pläne, die uns erstaunen und sogar erschüttern. Dazu gehört fraglos die Ankündigung der SPD-Spitze, Israel zum 65. Geburtstag einen Wald in der Negev zu schenken. Ein Vorhaben, das wahrlich an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen ist.

Die SPD-Führung spricht von der besonderen Verbundenheit ihrer Partei zu Israel. Das gibt uns das Recht, die Damen und Herren in der SPD zu fragen, mit welchem Israel bitte sie sich verbunden fühlen und solidarisieren? Mit einer Regierung und mit einem Land, das gerade vor ein paar Tagen einen abscheulichen Angriff auf Gaza gestartet und 150 Menschen den Tod gebracht hat? Oder mit einer Regierung und einem Land, das seit über sechs Jahrzehnten ein ganzes Volk terrorisiert und unterdrückt, seiner Menschenrechte beraubt und seine minimalsten Anstrengungen zur Normalität Tag für Tag ad absurdum führt?

Meine Damen und Herren in der SPD: Sie als SPD schreiben sich groß auf Ihre Fahne, sich sozial zu engagieren und für Frieden, Menschenrechte und Menschenwürde einzutreten. Das Vorhaben Ihrer Parteispitze aber ist das komplette Gegenteil: Es ist die blanke Unterstützung eines Unterdrückerregimes, eines Staates, der internationales Recht und internationale Resolutionen nicht nur mißachtet, sondern mit Füßen tritt.

Einige Tatsachen über die Negev und das zionistische Vorgehen gegen die palästinensischen Ureinwohner sollten Ihnen die Augen öffnen über die Tragweite des Vorhabens Ihrer Parteispitze.

Seit der Vertreibung der Mehrheit des palästinensischen Volkes aus seiner Heimat versucht Israel die verbliebenen Beduinenstämme in der Negev mit Zwangsansiedlung und Beschneidung ihrer elementaren Rechte ebenfalls aus der Heimat zu verdrängen.

Die Zerstörung von Häusern, Baracken und Zelten in den Dörfern der Negev gehört zum Alltag. Das letzte Beispiel in dem Dorf A´arakib beschäftigte unter anderem zahlreiche internationale und deutsche Menschenrechtsorganisationen.

Fast ein Drittel der Ureinwohner – und das sind immerhin über 86.000 palästinensische Beduinen – leben nach 65 Jahren israelischer Staatsgründung immer noch in sogenannten „nicht anerkannten“ Dörfern. Sie sind unerwünschte israelische Staatsbürger. „Nicht anerkannte“ Dörfer bedeutet Menschenansammlungen, teilweise mehrere Tausend in jedem Dorf, ohne jegliche zivilisatorische Grundlagen – ohne Wasser, ohne Strom, ohne Straßen, ohne Schulen, ohne Gesundheitsversorgung. Also praktisch ein Leben, das dem Warten auf den Tod gleichkommt. So leben die Menschen in der sogenannten Oase der Demokratie im Nahen Osten.

Die überwiegende Mehrheit der palästinensischen Beduinen in der Negev lebt von der Viehzucht – und das seit Jahrhunderten. Das israelische zionistische Regime versucht seit der Gründung des Staates diesen Menschen ihre Lebensgrundlage durch Ausdehnung der militärischen Sperrgebiete, Landenteignung und Siedlungsbau zu berauben.

Darüber hinaus sollte Ihnen bekannt sein, dass gerade das für den „Wald in der Wüste“ benötigte Wasser aus palästinensischen Quellen entnommen und den Palästinensern vorenthalten wurde.

Ihre propagierte Verbundenheit sollte Menschlichkeit und Würde sowie die Achtung der bürgerlichen Rechte der Menschen, die seit Jahrzehnten um ihr nacktes Überleben kämpfen, nicht konterkarieren. Sie verschenken einen Wald an ein Regime, das in den vergangenen 20 Jahren über 600.000 Olivenbäume und Zitrusbäume in der Nachbarschaft der Negev– im besetzten Palästina – abgeholzt hat. Ist dieser verschenkte Wald nicht buchstäblich mit blutigen Blättern versehen?

Meine Damen und Herren in der SPD: Das Vorhaben Ihrer Parteispitze ist eine direkte Unterstützung Hunderttausende von Menschen zu unterdrücken und sie aus ihrer Heimat zu vertreiben. Ihr Vorhaben ist der blanke Hohn, eine Ohrfeige für Frieden, Menschenrechte und Menschenwürde.

Hannover 13.12.2012
Raif Hussein

Kommentare:

  1. Mordechai Rabinowitsch13. Dezember 2012 um 22:44:00 MEZ

    Der eigentliche Mega-Skandal der deutschen Politik ereignete sich vor ein paar Wochen bei Hart aber Fair: Die Claudi (Grünen Parteivorsitzende) solidarisiert sich mit den Gotteskriegern in Syrien. Das in Syrien die Häuser religiöser Minderheiten (Aleviten, Schiiten) markiert werden und diese zum Abschuß freigegeben werden. Ja, daß findet die Claudi super (erinnert es doch an das finsterste Kapitel deutscher Geschichte)! Als ich das sah, habe ich vorm Fernseher getobt vor Wut!

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  2. Ich bin Israeli, ich lebe hier seit sehr vielen Jahren, mein Vater ist hier geboren und aufgewachsen. Wenn Sie Geld spenden wollen für Israel, was ich an sich eine sehr schöne Geste finde, dann will ich Sie gerne beraten, damit es nicht in die falschen Taschen fließt. Denn hier wird jemandem das Land weggenommen, um diesen Wald zu pflanzen. Vielleicht meinen Sie, Bevölkerungsverschiebungen seien in bestimmten Umständen gerechtfertigt. Ich bin der Meinung, dass es hier um nicht weniger als Transfer und ethnic cleansing geht, und zwar schreitet dieser Prozess schon mehr als 100 Jahre voran.
    Bitte höre Sie sich an, was Dr. Awad Abu-Freh zu sagen hat.
    http://www.youtube.com/watch?v=qIq_XIHZpoE

    Ich kann Ihnen übrigens versichern, dass weder die Person Dr.Awad Abu-Freh, noch was er sagt, erfunden ist. Ich kenne Awad, und er hat es verdient, angehört zu werden! Danke!
    uri shani

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