Freitag, 22. Februar 2013

Purim

Von Rabbiner SAMSON RAPHAEL HIRSCH sel. A.

Die Begebenheit ist klar. Sie liegt ausführlich in dem uns überkommenen Vermächtnis der beiden Hauptpersonen, Mordechai und Esther, in der Megillat Esther vor. Schwarze Tücke sehen wir, um Privatrache zu befriedigen, über das Leben vieler tausend äußerlich hilflos Preisgegebener würfeln; den selbstsüchtigen Zweck geschickt unter dem Schein des Eifers für das Wohl des Staates verhüllen; dazu die harmlose Gesonderheit Jisraels aus dem Staats-Endzweck gefährlich schildern; und schon der Erreichung ihres verruchten Anschlages sicher. Gegenüber jenen Hilflosen, die nichts hatten als eine ernste Prüfung ihres bisherigen Lebens und die Rückkehr zu Gott; ängstlich harrten sie des schrecklichen Tages, der ihnen allen mit Untergang drohte; auf Gott allein hinblickend, ob er wohl noch das Schreckliche abwenden werde; und nach menschlichen Kräften versuchten sie nur noch den einzigen Weg der geraden Vorstellung und Bitte. Und über beiden war unmittelbar Gott, längst schon vorbereitend die Heilung vor dem Schlag; die Folgen der Menschentat zu Seiner Weisheit Zweck verknüpfend - die Langeweile einer schlaflosen Nacht dem König - die Aufwallung eines Augenblicks in des Königs Brust - und - abgewendet war der Schlag von den Hilflosen, die nur Gott hatten, - zurückgeschleudert wurde der fein berechnete, Verderben tragende Blitzstrahl aufs Haupt der Urheber; und das wehrlose Jisrael zur selbständigen Verteidigung seines Lebens berufen - ging zum Licht und zur Freude aus der Gefahr hervor, die mit Nacht und Verderben gedroht hatte.



Da wurden die Tage solcher Errettung zum ewigen Zeitdenkmal für Jisraels Zerstreute; auf daß sie Kraft behielten in dem festen Vertrauen: Gott, der sie in die Wanderschaft unter die Völker hinausgewiesen hatte, wacht auch unsichtbar über sie, und macht zuschanden, was selbstsüchtige Bosheit an List und Ränken gegen sie schmieden möge. Das schwache Volk von Jaakov sei stark in demm unsichtbar wachenden Gott.

Was hier leibliches Leben bedroht und leibliches Leben errettet, so stellt sich auch die Purimfeier dar, neben öffentlichem Vorlesen jenes die Begebenheit verewigenden Vermächtnisses, in Festmahlen, gegenseitigen Genußgeschenken und Bedenken der ärmeren Brüder. Gleichsam ein frohes Innewerden des wiedergeschenkten Lebens, in diesem Freudengefühl das Gesamtbrudergefühl gegenseitig erneuernd, und ihm in Erheiterung der Ärmeren Raum gebend.

Also, wenn der Mißbrauch der Gewalt zur Ertötung des Jisrael eigentümlichen Lebens, oder ein verschlagenes Benutzen der Eigentümlichkeit Jisraels zum Vorwand für Ausführung von Plänen der Gewalt, die beiden schrecklichsten Erscheinungen sind, die Jisrael auf seiner Wanderung durch die Zeiten bedrohen: so stehen Chanukka und Purim am Eingang dieser Wanderung wie eine Feuer- und Wolkensäule und mahnen uns: treu zu bleiben allen Pflichten, treu dem Jisraelberuf, treu dem Land und Fürsten, die uns aufgenommen - und dann auf Gott zu blicken - und weder Gewalt noch List - zu fürchten.

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